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Alt 17.08.2006, 16:00   #1 (permalink)
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Motorrad: viel zu viele und kaum eines, das richtig läuft
Standard Kolben- Zylinderwechsel, Wartung

dieser Artikel wurde von Black RS verfaßt und von den Moderatoren korrigiert und editiert

Kolben: Einbau, Wartung und Montage





Zur Beachtung:
diese Anleitung ist als Hilfestellung für den erfahrenen Schrauber gedacht und kann nicht vollständig sein. Daher kann es bei deren Befolgen dennoch zu einer Vielzahl von Situationen kommen, bei deren Bewältigung erhebliches Grundlagenwissen nötig ist, da die hier besprochenen Bauteile ansonsten durch unsachgemäße Handhabung stark beschädigt oder gar unbrauchbar zum bestimmungsgemäßen Betrieb werden können. Weiterhin kann die Fahrsicherheit des Fahrzeuges durch unsachgemäße De- und Montagearbeiten stark beeinträchtigt oder unmöglich gemacht werden. Der Forumsbetreiber und die im Forum Mitwirkenden lehnen die Gewährleistung für jegliche Schäden, die bei der Durchführung der hier beschreibenen Arbeiten auftreten können, ab.

Benötigtes Werkzeug und Material:
> Inbusschlüssel 10er bis 13er, 13er Nuss
> Dichtungen, Zündkerzenschlüssel, Ratsche,
> Behälter/Eimer oder ähnliches…
> Kreuzschraubenzieher
> Schonhammer


Zylinder demontieren
den Benzinhahn auf „off“ stellen, den Vergaser entleeren, den Tank abbauen. Vergaser vom Luftfilterkasten und in entgegengesetzter Richtung vom Ansaugstutzen lösen, Choke abschrauben, Ölleitung abziehen - jetzt ist der Vergaser herausnehmbar. Danach Kühlwasser ablassen: dazu Kühlwasserschlauch unten vom Kühler abziehen (Schlauchschellen lösen), gleichermaßen den Schlauch am Motorblock. Es ist sicherzustellen, daß alles Kühlwasser aus dem Wassermantel des Zylinders entwichen ist, damit nicht beim Abheben des Zylinders Kühlwasser in den Motor schwappt oder in den Wasserkanälen des Zylinders verbleibt. Bei der späteren Wiedermontage muß peinlichst genau darauf geachtet werden, daß keine Kühlflüssigkeit in den Motor / Zylinder gelangt, da diese mit großer Wahrscheinlickeit beim Betrieb zu einem Kolbenschaden führt. Die Kühlflüssigkeit ist mittels eines geeigneten Behältnisses aufzufangen. Ist sie noch nicht alt und nicht verschmutzt, kann sie wiederverwendet werden.
Die zwei Inbusschrauben der Auslasssteuerung lösen und möglichst mit dem Schieber herausziehen. Ist dieser unbeweglich, dann lediglich den Zug aus der Stange des Schiebers haken, um ihn später aus dem abgebauten Zylinder mit geeigneten Mitteln zu entfernen.
Zündkerzenstecker und Zündkerze entfernen, mit einem geeigneten Gegenstand (z. Bsp. Schlitzschraubenzieher) Kolben auf UT drücken.
Nun beginnt die eigentliche Arbeit des Zylinderabbaus, die bei der RS 125 enorm erschwert wird durch die Stange, die sich zwischen dem Rahmen angeschraubt befindet und an der gleichfalls der Zylinder festgeschraubt ist. Eine Zylinderdemontage ohne vorheriges Entfernen der Stange ist nahezu unmöglich. 2 Möglichkeiten des Vorgehens stehen zur Verfügung:

Methode 1:
man löst die 4 Muttern (13er), mit denen der Zylinder an den Bolzen des Motors verschraubt ist (Unterlegscheiben abnehmen!) und löst anschießend die Schrauben der Rahmenstange. Nun zieht man diese mitsamt dem kompletten Zylinder nach oben. Sofern der Zylinder "festklebt", löse man diesen mit leichten Schlägen des Schonhammes auf alle Seiten des Zylinders. Sobald der Zylinder genügend angehoben ist, ergreife man die Pleuelstange und halte diese fest, damit der Kolben möglichst wenig den UT verläßt und ein möglicher Seitendruck auf die Pleuelstange durch das Abziehen des Zylinders minimiert wird. Kolben wieder in UT bringen und den Kurbelraum des Motors mit einem Lappen völlig auskleiden, damit keinerlei Fremdgegenstände hineingelangen können. Der Zylinder läßt sich nun leicht auseinandernehmen: Wasserdeckel , Zylinderkopf abschrauben, dabei darauf achten, daß kein Gewindegang bei Muttern oder Stehbolzen beschädigt wird. Sollte dies dennoch geschehen (da oft harte Ablagerungen an den von Kühlflüssigkeit umspülten Teilen haften), sind diese Muttern/Bolzen unbedingt auszutauschen!

Methode 2:
man löst die Rahmenstange von Rahmen und Zylinder, anschließend schraubt man den Wasserdeckel ab, danach den Zylinderkopf. Nach Entfernen der 4 Muttern, die den Zylinder am Motor fixieren, löst man diesen wie unter 1. beschrieben und achtet dabei darauf, daß der Kolben auf UT verbleibt, was bei dieser Methode wesentlich einfacher möglich ist als bei Methode 1).
Den Nullhakenring aus der Ringnut des Kolbens entfernen, den Kolbenbolzen mit einem geeigneten Dorn aus dem Kolben herausdrücken.
Achtung: den Kolben beim Ausdrücken des Kobenbolzens mit der Hand abstützen da sonst die Pleuelstange verbogen werden könnte.
Zum Schluss nur noch Kolben, Kolbenringe und den Kobenbolzenkäfig abnehmen.
Bei den Originalkolben sind die beiden Kompressionsringe gleich und es ist egal, wie herum man sie einbaut. Es gibt aber auch Kolben, die unterschiede Ringgrößen für den ersten und zweiten Ring besitzen. Ober- und Unterseite sind jedoch für den richtigen Einbau gekennzeichnet.




Kolbenpflege, Kolbenlaufspiel feststellen

Das Kolbenlaufspiel zwischen Zylinder und Koben sollte 0,02 bis 0,08 mm betragen. Die Verschleißgrenze liegt bei maximal 0,08 mm. Das sind die Werte, die wir zuhause kaum werden nachmesen können. Ein Kolben mit zu großem Laufspiel erkennt man im Betrieb. Der Motor fährt kraftlos. Ein Kolbenlaufspiel von 0,02mm ist für einen 2-T-Motor als Grenze anzusehen, bei der der Einlaufprozess sehr sorgfältig geschehen muß und die gefahr des Klemmers stets gegeben ist. In der Praxis wählt man ein höheres Laufspiel von 0,04mm.
Achtung: Die Verschleißgrenze sollte auf keinen Fall überschritten werden, in diesem Fall sollte der Kolben durch einen Übermaßkolben ersetzt werden. Bei jedem Kolbenwechsel müssen unbedingt die beiden Kolbenringe, Kolbenbolzen und Bolzensicherungsringe mit ausgewechselt werden.
Der Kolbenbolzen darf außerdem kein Spiel aufweisen, aber genausowenig zu fest sitzen. Zu fest sitzende Kolbenbolzen bilden Hitzenester und führen zu Kolbenschäden. Es soll mit äußerst leichtem Druck in den Kolben eingeführt werden können.
Zu Schluss sollte man noch das Stoßspiel (0,05 bis 0,2 mm) der Kolbenringe ermitteln (die Verschleißgrenze liegt bei max. 0,8 mm). Um das Stoßspiel festzustellen den Kolbenring in den Zylinder stecken um ihn mit dem Kolben auszurichten. Auch hier gilt: hat man keine Meßmöglichkeit, was die Regel darstellt, so prüfe man die Kolbenringe nach Augenschein. Sie müssen eine gute Spannung aufweisen und dürfen sich nicht über den Positionierstift hinwegscheiben lassen können. Auf einer geraden Fläche müssen sie völlig plan aufliegen. Haben sie eingebrannte Rückstände, so entferne man diese vorsichtig aber sorgfältig. Genauso reinige man die Ringnuten im Kolben. Ist ein Ring so stark in der Nut festgebrannt, daß er sich nicht mehr frei bewegen läßt, so ist er unbedingt zu ersetzen.


Kolbenfresser, -Klemmer feststellen
Hier eine Checkliste um festzustellen durch was der Kobenfresser, -Klemmer ausgelößt wurde:

> Tuningauspuffanlage angebaut?
> Tuningluftfilter, Luftfilterpilz, Löcher im Luftfilter, Schnorchel rausgezogen …etc…?
> Leistungssteigerung ohne abstimmen des Vergasers?
> Kolben/Zylinder nicht korrekt eingefahren?
> Vergasereinstellung verändert …etc…?
> > Einstellung der Ölpumpe verändert?
> Falschluft (z.Bsp. durch lockere Zündkerze, lockeren Ansaugstutzen falsche Auspuffbefestigung am Zylinder?)


Was tun wenn Verdacht auf Kolbenfresser/Klemmer besteht?

> Kompression messen. Ist diese zu gering, alsdann:
> Zylinder/Kolben auf Riefen, Beschädigungen kontrollieren
> Zylinder, Kolben kontrollieren. Zunächst genügt kontrolle durch den Auslaß nach Abbau des Auspuffes und durch das Zündkerzenloch hindurch mit geeigneter Lampe. Bestätigt sich der Verdacht auf Schaden, so muß der Zylinder demontiert werden.
siehe FAQ Kolbenbilder
> Bei wenig Erfahrung den nächsten Aprilia Händler fragen …etc…


Instandsetzung

ist die Beschichtung des Zylinders noch intakt, reicht es ein neues Kolbenkit einzusetzen. Es empfiehlt sich, dieselbe Kolbengröße wieder zu verwenden, oder bei betagtem Kolben eine Nummer größer zu wählen.
Weist die Gilnisil-Beschichtung Riefen auf, so ist der Zylinder zu honen. Man überläßt dem Honbetrieb die Auswahl der Kolbengröße.
Letztendlich ist bei der Ersetzung des Kolbens ein gleichzeitiges Honen immer die erste Wahl, weil den neuen Kolbenringen und der Laufbahnoberfläche durch den Honvorgang die besten Voraussetzugen geschaffen werden, sich aufeinander einzulaufen.
Ist die Gilnisil-Beschichtung des Zylinders zerstört, sodaß darunter das Aluminium des Zylinders zum Vorschein kommt, muß eine neue Nickel-Siliziumcarbid-Beschichtung her. Hierfür sind Motorinstandsetzungbetriebe die Annahmestelle. Nun kann man auch einen untermaßigen Kolben wählen, da der neu beschichtete Zylinder auf die Kolbengröße gehont werden muß.

> Neu Beschichten bis 125ccm ab ca. 180€
> Honen mit vermessen ab ca. 35€
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Ungelesen 17.08.2006, 16:00   #1 (permalink)
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Alt 11.11.2016, 14:08   #2 (permalink)
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Motorrad: RS125MP, CBR1100XX
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Einige Kolbenringe haben eine Einbaurichtung. Beim Wössner muss z.B. das "N" auf den Kolbenringen nach oben (also zur Brennkammer hin) zeigen.
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