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Alt 14.05.2016, 05:26   #7 (permalink)
infected
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Reifen

Reifendruck und Temperatur oder wenn es kalt ist, lasse ich Druck ab, dann wird schon alles gut, denn mehr Auflagefläche ist auch mehr Grip, oder?!
Ein weit verbreiteter Irrglaube, denn genau das Gegenteil stimmt. Grundsätzlich gibt es für jede Fahrweise, bei jeder Temperatur wohl den optimalen Reifendruck. Da wir den aber nicht permanent anpassen können, schaut man auch hier, dass man den besten Kompromiss findet.
It's all about temperature
Die Reifenhersteller haben den Reifen mit einer idealen Reifenaufstandsfläche designt. Diese nach Gutdünken zu vergrößern oder zu verkleinern ist, mit Verlaub, Schwachsinn. Meistens nimmt der Reifen, irgendwann auch der Fahrer daran Schaden. Um diese auflagefläche sicherzustellen, braucht der Reifen im Inneren den idealen Luftdruck. Und was hat das jetzt mit der Temperatur zu tun? ALLES! In zweifacher Hinsicht:

1. Die Umgebungstemperatur, die Asphalttemperatur, die Reifentemperatur bestimmen maßgeblich den Reifeninnendruck. Die Reifentemperatur beeinflusst maßgeblich den Grip den wir zur Verfügung haben, denn nur ein weicher Gummi kann sich ordentlich mit Asphalt verzahnen. Damit das in der kalten Jahreszeit und bei Regen ordentlich funktioniert geben die Reifenhersteller Silika in die Reifen. Das sorgt für eine schnelle Erhitzung des Gummis. An heißen Tagen kann das aber sogar zur Überhitzung führen. Asphalt kann, nach einer längeren Hitzeperiode, bis zu 90 Grad heiß werden! Dass hier kein Silika mehr notwendig ist leuchtet ein!
Nun sind die Reifenhersteller schon so weit dass sie Reifen mit sehr breiten Temperaturfenstern herstellen können. Die funktionieren dann beispielsweise von 30 bis 60 Grad ziemlich gut. Andere Reifen funktionieren erst ab 60 Grad, dafür bis 90.
Das wäre mal das eineMittel um Temperaturschwankungen zu begegnen. Das andere Mittel wäre dass man die Reifenbreite (und damit die Aufstandsfläche) etwas variiert. Ein breiterer Reifen mit mehr Aufstandsfläche, der die gleiche Arbeit verrichten muss wird nicht so heiß werden wie ein schmaler Reifen.

Und wie passt da jetzt der Luftdruck dazu?

2. Ist der Luftdruck zu groß wölbt sich der Reifen stärker und die Auflagefläche wird kleiner, die Lauffläche wird auf einer kleineren Stelle zu heiß.
Wird der Luftdruck zu klein klappt das Innere der Auflagefläche nach innen in den Reifen. Dadurch wird die Auflagefläche auch wieder kleiner! Und ja, die Teile des Reifens, die dann noch mit dem Asphalt in Verbindung sind und die ganze Arbeit machen dürfen werden zu heiß.
STEIGT die Reifentemperatur, STEIGT der Reifeninnendruck!
SINKT die Reifentemperatur SINKT der Reifeninnendruck! Diesen zustand merkt man daran, dass man das Gefühl hat in Kurven rutscht der Reifen plötzlich ein kleines Stück weg, vor allem in den kälteren Jahreszeiten und bei gar nicht so großer Schräglage. Wenn das nur bei einer Kurve so ist, hat man's vielleicht übertrieben, aber wenn's bei jeder zweiten Kurve ist => Luftdruck prüfen und erhöhen. Das Gleiche gilt wenn sich der Reifen matschig, schwammig oder zu weich anfühlt oder unpräzise arbeitet. Ihr tut euch und euren Reifen keinen Gefallen, wenn ihr so durch die Gegend fahrt.

Fazit: Meine Beladung, mein Gewicht, mein Fahrzeuggewicht, die Umgebungstemperatur, mein Fahrstil und mein Reifen beeinflussen den Reifen Innendruck maßgeblich. Der Reifeninnendruck wiederum beeinflusst maßgeblich die Aufstandsfläche des Reifen, die aber nur dann ideal ist, wenn man sie über den Luftdruck auf ihre ideale Größe eingestellt hat.

Verwirrend? Eigentlich nicht! Je mehr Gewicht und je niedriger die Temperatur, desto mehr Luftdruck. Je kleiner das Gewicht und je größer die Temperatur, desto weniger Druck. Entscheidend ist die Reifentemperatur.

Und mehr Auflagefläche bedeutet mehr Grip? JAIN! Rein von der mechanischen Seite (Physik), ist es vollkommen egal, denn die Reibungskraft ist unabhängig von der Fläche immer dieselbe. Nun ist es aber so, dass der Reifen nicht "Ideal" und die Straße auch nicht "Ideal" ist. Das heißt, der Reifen ändert seine Eigenschaften permanent dynamisch. Denn Reibung erzeugt Hitze, Hitze macht den Gummi weicher, weicher Gummi greift besser bis er letztlich zu weich ist und schmiert. Wie wir gelernt haben ändert sich auch der Reifeninnendruck und von der Straße werden Stöße in den Reifen eingeleitet, die Korngrößenverteilung ist nie gleichmäßig, etc etc. Ich denke nicht dass eine einzige Formel den Grip eines Reifen bestimmen kann, allerhöchstens in einem einzelnen Moment unter Laborbedingungen. Was uns aber nichts bringt. Viel mehr werden die Reifenhersteller mittels umfangreichen Tests und ihren Erfahrungswerten überprüfen, mit welchem Luftdruck, bei welcher Temperatur, dieses und jenes Fahrzeug, mit einem so und so schwerem Fahrer am besten funktioniert.

Und jetz kommt so ein Schlaumeier daher und senkt seinen Luftdruck, weil er gelesen oder gehört hat dass man dann mehr Grip hat... : Sensationell, denjenigen, der das empfiehlt, dem sollte man gleich einen Job bei den Reifenherstellern besorgen :achtung ironie: :gute besserung:

Da nun aber kein Hersteller der Welt alle Fahrzeuge mit allen Luftdrücken testen kann um herauszufinden welcher nun der Optimale ist und diese Werte meistens eher pauschal angibt besteht hier ein gewisser Spielraum für eine Anpassung. Innerhalb dieses Spielraums handeln wir nach dem Prinzip:
Je mehr Gewicht und je niedriger die Temperatur, desto mehr Luftdruck. Je kleiner das Gewicht und je größer die Temperatur, desto weniger Druck. Entscheidend ist die Reifentemperatur!

Reifen aufwärmen durch Schlangenlinien
Eher nicht. Klar wird der Reifen bei Belastung wärmer.
Aber beim Schlangenlinienfahren wird der Reifen nahezu keiner Belastung ausgesetzt. Schlangenlinien fährt man wenn man den Reifen reinigen will. zb zum Einfahren oder wenn man im Schotter unterwegs war.
So wärmt ihr eure Reifen richtig (schonend) auf:
1. Auf der Geraden und bei wenig Schräglage immer stärker beschleunigen und abbremsen. Je mehr Zeit ihr euch lasst, desto weniger verschleißen eure Reifen dabei.
2. Kurven werden anfänglich nur mit Stützgas durchfahren. Auch hier steigert man von mal zu mal die Intensität des reinbremsens und herausberschleunigens.


Ich halte mich für einen sportlichen Fahrer, deshalb fahre ich Straßen-Rennreifen (wie PDSC oder MRKRR)
Das hat jetzt wieder ganz direkt mit der Temperatur zu tun. Wenn du keinen Angstrand hast und sich dein Reifen abwutzelt kannst du getrost solche Reifen fahren. Hast du aber nach wie vor deinen Angstrand auf den Reifen und der Reifen ist und bleibt bei dir glatt dann ist er die falsche Wahl. Nicht nur, dass du für sehr wenig Laufleistung sehr viel Geld ausgibst. Du gefährdest dich auch weil du den Reifen vmtl nicht in ein Temperaturfenster bekommst in dem der Grip optimal ist. Bleib lieber bei Hypersport- oder Sporttourenreifen da hast du mehr davon und überfordern wirst du die auch nicht. Lieber keine oder nur ein paar Wutzeln an einem PAGT als keine an einem PDSC. Empfehlenswert sind solche Reifen auch für Heizer hauptsächlich nur im Hochsommer für ein, zwei Monate.
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Ungelesen 14.05.2016, 05:26   #1 (permalink)
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